Ratgeber 2026 Zuletzt aktualisiert: August 2026

Der Liegestuhl im Garten

Bauformen, Herkunft und Standort

Der Liegestuhl kam ursprünglich vom Schiffsdeck und hat seine Form seit dem 19. Jahrhundert kaum verändert. Im Garten trifft er allerdings auf Bedingungen, für die er nie gebaut wurde – weicher Boden, Wind und Dauerfeuchte. Wir zeigen dir, welche Bauform wo funktioniert.

Vom Schiffsdeck in den Garten

Der Liegestuhl ist eines der wenigen Möbelstücke, dessen Herkunft man am Namen noch ablesen kann – zumindest im Englischen. „Deckchair“ heißt wörtlich Deckstuhl, und genau das war er ursprünglich: ein zusammenklappbares Sitzmöbel für Passagiere auf Linien- und Kreuzfahrtschiffen, die auf langen Überfahrten eine Ruhemöglichkeit an Deck brauchten.

Zwei Eigenschaften waren dafür entscheidend und prägen die Bauform bis heute: Er musste sich flach zusammenlegen und stapeln lassen, und er musste leicht genug sein, um von einer Person getragen zu werden. Klappmöbel an sich gab es schon in der Antike, doch die vertraute Scherenkonstruktion aus Holzrahmen und gespannter Stoffbahn entstand erst im 19. Jahrhundert. Als frühes dokumentiertes Beispiel gilt der 1870 patentierte „Adjustable Chair“ von George Wilson, der bereits verschiedene Sitzpositionen erlaubte.

Vom Passagierdampfer wanderte der Liegestuhl über die Strandpromenaden auf heimische Terrassen und in den Garten. Dort trifft er allerdings auf Bedingungen, für die er nicht konstruiert wurde: kein geebnetes Schiffsdeck, sondern Rasen, Kies und wechselndes Wetter. Genau daraus ergeben sich seine Stärken und Schwächen im Gartenalltag.

Die vier Bauformen im Überblick

Klassischer Deckchair aus Holz

Die ursprüngliche Form: ein Scherenrahmen aus witterungsbehandeltem Holz mit einer durchgehenden Stoffbahn aus Segeltuch oder reißfestem Leinen. Sehr leicht, flach zusammenlegbar und optisch zeitlos. Einfache Ausführungen rasten nur in einer Position ein – bei weiterentwickelten Varianten ist der hintere Tragholm verlängert und mit Querstreben versehen, was mehrere Neigungswinkel ermöglicht.

Klappliegestuhl aus Aluminium

Die moderne Interpretation: Aluminiumrohr statt Holz, Textilene-Bespannung statt Segeltuch, meist mit Armlehnen und drei bis fünf Rastpositionen. Deutlich leichter als Holz, rostfrei und schneller trocknend – dafür weniger charaktervoll. Für den häufigen Wechsel zwischen Terrasse, Rasen und Pool die praktischste Variante.

Holz-Liegestuhl mit Armlehnen und Fußteil

Die komfortorientierte Bauform: massiver gebaut, mit breiteren Armlehnen und einem ausziehbaren oder hochklappbaren Fußteil. Steht dank des höheren Eigengewichts stabiler bei Wind, lässt sich aber nicht mehr so flach zusammenlegen. Braucht wie alle Holzmöbel regelmäßige Pflege – siehe Holz-Ratgeber.

Freischwinger-Liegestuhl

Statt auf einer Scherenmechanik ruht die Liegefläche hier auf einem federnden Metallgestell, das beim Zurücklehnen leicht nachgibt. Das Prinzip ähnelt einem Schwingsessel und wird im Handel oft als Relaxliegestuhl geführt. Bequem für längeres Sitzen, aber schwerer und selten flach klappbar – Details im Relaxliegen-Ratgeber.

Abgrenzung

Nicht jedes flach stellbare Gartenmöbel ist ein Liegestuhl. Die Sonnenliege ist auf flaches Liegen ausgelegt und hat oft gar keine oder nur eine geringe Rückenlehnen-Neigung; der Gartenstuhl lässt sich überhaupt nicht flach stellen. Der Liegestuhl liegt bewusst dazwischen – er ist das Möbel für beides. Konkrete Modellvergleiche dazu findest du in unserem Liegestuhl-Ratgeber.

Warum der Untergrund über die Standfestigkeit entscheidet

Die häufigste Klage über Liegestühle im Garten lautet: Er wackelt. Das liegt selten an schlechter Verarbeitung, sondern an einem Konstruktionsprinzip, das vom ebenen Schiffsdeck stammt.

Ein klassischer Deckchair steht auf vier schmalen Holzleisten mit sehr kleiner Auflagefläche. Auf einer Terrasse verteilt sich das Gewicht problemlos. Auf Rasen dagegen drückt sich jede Leiste unterschiedlich tief in den Boden, und weil sich das Gewicht beim Hinsetzen nach hinten verlagert, sinkt die Rückseite stärker ein als die Vorderseite. Der Stuhl steht dann nicht nur schief, sondern kippt bei ungünstiger Lastverteilung auch seitlich weg.

Bei Freischwingern und Alu-Klappliegestühlen kommt ein zweiter Effekt hinzu: Ihr geringes Eigengewicht macht sie windanfällig. Eine leere Aluminiumkonstruktion von wenigen Kilogramm kann bei einer kräftigen Böe umkippen oder über die Terrasse rutschen.

Vergleichstabelle
Untergrund Eignung Was hilft
Holz- und WPC-Dielen Gut Filz- oder Gummiuntersetzer gegen Druckstellen im Belag
Verdichteter Kies Befriedigend Fläche vor dem Aufstellen glatt ziehen
Rasen Eingeschränkt Breite Bretter oder Gehwegplatten unterlegen; schwerere Bauform wählen
Weicher, feuchter Boden Schlecht Standort wechseln – Holzfüße ziehen von unten Feuchtigkeit

Ausführlich behandeln wir das Thema in unserem Ratgeber zum besten Untergrund für Gartenliegen – die dort beschriebenen Lösungen gelten für Liegestühle unverändert.

Bespannung: der austauschbare Teil

Bei kaum einem anderen Gartenmöbel ist der Verschleißteil so klar benannt wie beim Liegestuhl: Es ist die Bespannung. Sie trägt das gesamte Gewicht, ist der Sonne ungeschützt ausgesetzt und wird bei jedem Zusammenklappen gefaltet.

Der große Vorteil des klassischen Deckchairs liegt genau hier: Die Stoffbahn ist in der Regel nur an zwei Querstäben befestigt – vernagelt, verschraubt oder eingeschlagen – und lässt sich mit Meterware nach Maß erneuern. Ein Rahmen aus gutem Holz kann so mehrere Bespannungen überleben. Bei modernen Modellen mit vernieteter oder in eine Kederschiene eingezogener Bespannung ist der Tausch dagegen ungleich aufwendiger.

Welcher Stoff hält am längsten?

Traditionell wird Segeltuch oder reißfestes Leinen verwendet – schön anzusehen, aber saugfähig und deshalb nach jedem Regen längere Zeit feucht. Moderne Alternativen sind Textilene (ein Polyestergewebe mit PVC-Ummantelung, das durch seine offene Netzstruktur schnell trocknet) und spinndüsengefärbte Acrylstoffe, deren Farbe im Garn selbst steckt und die deshalb kaum ausbleichen. Welche Gewebe sich wie verhalten, haben wir im Ratgeber zu wetterfesten Gartenliegen gegenübergestellt.

Beim Deckchair ist die Bespannung das Verschleißteil – und genau deshalb kann ein guter Rahmen Jahrzehnte halten.
Bastian, Gartenliegen-Experte

Worauf du beim Garten-Einsatz achten solltest

Klappmechanik prüfen, nicht nur das Material

Die Scherenmechanik eines Liegestuhls hat wenige, dafür stark belastete Gelenkpunkte. Metallbeschläge und durchgehende Bolzen halten dem Dauergebrauch länger stand als in Holz eingelassene Kunststoffteile. Ein bekanntes Ärgernis dieser Bauform bleibt die Klemmgefahr an den Scherenpunkten – Kinder sollten Liegestühle nicht unbeaufsichtigt auf- und zuklappen.

Eigengewicht gegen Windlage abwägen

Leichte Alu-Modelle lassen sich mühelos umstellen, kippen an windigen Standorten aber eher. Schwerere Holzmodelle stehen sicherer, wollen dafür seltener bewegt werden. Wer beides braucht, stellt den leichten Stuhl an eine windgeschützte Hausecke statt auf die freie Rasenfläche.

Sitzhöhe realistisch einschätzen

Klassische Deckchairs setzen sehr tief an. Das liegt sich entspannt, macht das Aufstehen aber zur Übung aus der Hocke – gerade bei Knie- oder Rückenbeschwerden ein relevanter Punkt. Modelle mit höherem Einstieg sind dafür weniger flach stellbar. Konkrete Werte dazu im Maß-Ratgeber.

Trocken lagern, auch bei „wetterfest“

Liegestühle sind auf geringes Gewicht ausgelegt, nicht auf Dauerbewitterung. Holzrahmen ziehen über die Fußenden Wasser, Stoffbespannungen halten Feuchtigkeit im Gewebe. Ein Platz unter dem Terrassendach oder im Schuppen verlängert die Lebensdauer deutlich stärker als jede Imprägnierung.

FAQ: Garten-Liegestuhl

Was genau ist ein Liegestuhl?
Ein Liegestuhl ist ein zusammenklappbares Möbelstück, auf dem man sowohl sitzen als auch liegen kann. Genau diese Doppelfunktion unterscheidet ihn von der flachen Sonnenliege, die vor allem zum Liegen gedacht ist, und vom Gartenstuhl, der sich gar nicht flach stellen lässt. Eine ausführliche Gegenüberstellung findest du in unserem Liegestuhl-Ratgeber.
Woher kommt der Liegestuhl ursprünglich?
Vom Schiff. Der Liegestuhl war ursprünglich ein Deckstuhl für Passagiere auf Linien- und Kreuzfahrtschiffen – im Englischen heißt er bis heute „deckchair“. Die vertraute Form entstand im 19. Jahrhundert; als frühes dokumentiertes Beispiel gilt der 1870 patentierte „Adjustable Chair“ von George Wilson, der bereits mehrere Sitzpositionen erlaubte. Klappmöbel selbst sind allerdings deutlich älter und schon aus der Antike bekannt.
Warum wackeln Liegestühle auf dem Rasen so stark?
Weil ihr Gewicht auf sehr kleinen Auflageflächen ruht. Ein klassischer Deckchair steht auf vier schmalen Holzleisten, die auf weichem Boden ungleichmäßig einsinken – und weil sich das Gewicht beim Hinsetzen verlagert, sinkt eine Seite stärker ein als die andere. Feste, ebene Flächen oder untergelegte Bretter lösen das Problem zuverlässiger als jedes Nachjustieren.
Kann man die Bespannung eines Liegestuhls austauschen?
Beim klassischen Holz-Deckchair in der Regel ja – die Stoffbahn ist meist nur an zwei Querstäben befestigt und lässt sich mit Ersatzstoff nach Maß erneuern. Das macht diese Bauform langlebiger als viele modernere Modelle, bei denen die Bespannung fest mit dem Rahmen vernietet oder in eine Kederschiene eingezogen ist und sich nur mit Aufwand ersetzen lässt.
Wie viele Positionen hat ein Liegestuhl?
Ganz einfache Modelle rasten nur in einer einzigen Position ein. Bei weiterentwickelten Varianten wurde der nach hinten laufende Tragholm verlängert und mit Querstreben versehen – dadurch sind mehrere Neigungswinkel möglich, üblich sind drei bis fünf. Modelle mit elektrischer Verstellung gibt es ebenfalls, sie spielen im Garten aber kaum eine Rolle.
Ist ein Liegestuhl auch für längeres Liegen geeignet?
Bedingt. Die durchgehende Stoffbahn passt sich zwar dem Körper an, stützt den unteren Rücken aber weniger als eine feste Liegefläche mit Auflage. Für eine Lesestunde oder ein Sonnenbad ist das unproblematisch; wer regelmäßig mehrere Stunden liegt, ist mit einer Gartenliege mit verstellbarer Lehne und 5–8 cm dicker Auflage besser bedient.

Garten-Liegestuhl: Unsere Einordnung

Der Liegestuhl ist kein Kompromiss zwischen Stuhl und Liege, sondern eine eigenständige Bauform mit einem klaren Zweck: leicht, klappbar und für beides nutzbar. Wer ihn an genau dieser Stärke misst, wird selten enttäuscht.

Für den Garten sind zwei Punkte entscheidender als das Material: ein fester, ebener Standplatz – auf Rasen hilft nur Unterlegen – und eine austauschbare Bespannung, weil sie und nicht der Rahmen zuerst verschleißt. Wer regelmäßig mehrere Stunden am Stück liegt, ist dagegen mit einer Gartenliege mit verstellbarer Lehne und dickerer Auflage besser bedient.

Einen Vergleich verwandter Bauformen findest du in unserem Liegestuhl-Ratgeber, im Ratgeber zu Relaxliegen und bei Gartensesseln für reines Sitzen. Weitere Möbeltypen für den Garten stehen im Ratgeber-Archiv.

Foto von Bastian Behrens
Gartenliegen-Experte & Gründer

Ich betreibe gartenliege-test.de und habe in dieser Zeit 20 Modelle ausführlich verglichen und viele weitere gesichtet. Mein Ziel: Dir helfen, die perfekte Gartenliege zu finden – ohne endloses Suchen.

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