Der Liegestuhl im Garten
Bauformen, Herkunft und Standort
Der Liegestuhl kam ursprünglich vom Schiffsdeck und hat seine Form seit dem 19. Jahrhundert kaum verändert. Im Garten trifft er allerdings auf Bedingungen, für die er nie gebaut wurde – weicher Boden, Wind und Dauerfeuchte. Wir zeigen dir, welche Bauform wo funktioniert.
Vom Schiffsdeck in den Garten
Der Liegestuhl ist eines der wenigen Möbelstücke, dessen Herkunft man am Namen noch ablesen kann – zumindest im Englischen. „Deckchair“ heißt wörtlich Deckstuhl, und genau das war er ursprünglich: ein zusammenklappbares Sitzmöbel für Passagiere auf Linien- und Kreuzfahrtschiffen, die auf langen Überfahrten eine Ruhemöglichkeit an Deck brauchten.
Zwei Eigenschaften waren dafür entscheidend und prägen die Bauform bis heute: Er musste sich flach zusammenlegen und stapeln lassen, und er musste leicht genug sein, um von einer Person getragen zu werden. Klappmöbel an sich gab es schon in der Antike, doch die vertraute Scherenkonstruktion aus Holzrahmen und gespannter Stoffbahn entstand erst im 19. Jahrhundert. Als frühes dokumentiertes Beispiel gilt der 1870 patentierte „Adjustable Chair“ von George Wilson, der bereits verschiedene Sitzpositionen erlaubte.
Vom Passagierdampfer wanderte der Liegestuhl über die Strandpromenaden auf heimische Terrassen und in den Garten. Dort trifft er allerdings auf Bedingungen, für die er nicht konstruiert wurde: kein geebnetes Schiffsdeck, sondern Rasen, Kies und wechselndes Wetter. Genau daraus ergeben sich seine Stärken und Schwächen im Gartenalltag.
Die vier Bauformen im Überblick
Klassischer Deckchair aus Holz
Die ursprüngliche Form: ein Scherenrahmen aus witterungsbehandeltem Holz mit einer durchgehenden Stoffbahn aus Segeltuch oder reißfestem Leinen. Sehr leicht, flach zusammenlegbar und optisch zeitlos. Einfache Ausführungen rasten nur in einer Position ein – bei weiterentwickelten Varianten ist der hintere Tragholm verlängert und mit Querstreben versehen, was mehrere Neigungswinkel ermöglicht.
Klappliegestuhl aus Aluminium
Die moderne Interpretation: Aluminiumrohr statt Holz, Textilene-Bespannung statt Segeltuch, meist mit Armlehnen und drei bis fünf Rastpositionen. Deutlich leichter als Holz, rostfrei und schneller trocknend – dafür weniger charaktervoll. Für den häufigen Wechsel zwischen Terrasse, Rasen und Pool die praktischste Variante.
Holz-Liegestuhl mit Armlehnen und Fußteil
Die komfortorientierte Bauform: massiver gebaut, mit breiteren Armlehnen und einem ausziehbaren oder hochklappbaren Fußteil. Steht dank des höheren Eigengewichts stabiler bei Wind, lässt sich aber nicht mehr so flach zusammenlegen. Braucht wie alle Holzmöbel regelmäßige Pflege – siehe Holz-Ratgeber.
Freischwinger-Liegestuhl
Statt auf einer Scherenmechanik ruht die Liegefläche hier auf einem federnden Metallgestell, das beim Zurücklehnen leicht nachgibt. Das Prinzip ähnelt einem Schwingsessel und wird im Handel oft als Relaxliegestuhl geführt. Bequem für längeres Sitzen, aber schwerer und selten flach klappbar – Details im Relaxliegen-Ratgeber.
Nicht jedes flach stellbare Gartenmöbel ist ein Liegestuhl. Die Sonnenliege ist auf flaches Liegen ausgelegt und hat oft gar keine oder nur eine geringe Rückenlehnen-Neigung; der Gartenstuhl lässt sich überhaupt nicht flach stellen. Der Liegestuhl liegt bewusst dazwischen – er ist das Möbel für beides. Konkrete Modellvergleiche dazu findest du in unserem Liegestuhl-Ratgeber.
Warum der Untergrund über die Standfestigkeit entscheidet
Die häufigste Klage über Liegestühle im Garten lautet: Er wackelt. Das liegt selten an schlechter Verarbeitung, sondern an einem Konstruktionsprinzip, das vom ebenen Schiffsdeck stammt.
Ein klassischer Deckchair steht auf vier schmalen Holzleisten mit sehr kleiner Auflagefläche. Auf einer Terrasse verteilt sich das Gewicht problemlos. Auf Rasen dagegen drückt sich jede Leiste unterschiedlich tief in den Boden, und weil sich das Gewicht beim Hinsetzen nach hinten verlagert, sinkt die Rückseite stärker ein als die Vorderseite. Der Stuhl steht dann nicht nur schief, sondern kippt bei ungünstiger Lastverteilung auch seitlich weg.
Bei Freischwingern und Alu-Klappliegestühlen kommt ein zweiter Effekt hinzu: Ihr geringes Eigengewicht macht sie windanfällig. Eine leere Aluminiumkonstruktion von wenigen Kilogramm kann bei einer kräftigen Böe umkippen oder über die Terrasse rutschen.
| Untergrund | Eignung | Was hilft |
|---|---|---|
| Terrassenplatten, Beton | Sehr gut | Nichts – ideale Bedingungen für alle Bauformen |
| Holz- und WPC-Dielen | Gut | Filz- oder Gummiuntersetzer gegen Druckstellen im Belag |
| Verdichteter Kies | Befriedigend | Fläche vor dem Aufstellen glatt ziehen |
| Rasen | Eingeschränkt | Breite Bretter oder Gehwegplatten unterlegen; schwerere Bauform wählen |
| Weicher, feuchter Boden | Schlecht | Standort wechseln – Holzfüße ziehen von unten Feuchtigkeit |
Ausführlich behandeln wir das Thema in unserem Ratgeber zum besten Untergrund für Gartenliegen – die dort beschriebenen Lösungen gelten für Liegestühle unverändert.
Bespannung: der austauschbare Teil
Bei kaum einem anderen Gartenmöbel ist der Verschleißteil so klar benannt wie beim Liegestuhl: Es ist die Bespannung. Sie trägt das gesamte Gewicht, ist der Sonne ungeschützt ausgesetzt und wird bei jedem Zusammenklappen gefaltet.
Der große Vorteil des klassischen Deckchairs liegt genau hier: Die Stoffbahn ist in der Regel nur an zwei Querstäben befestigt – vernagelt, verschraubt oder eingeschlagen – und lässt sich mit Meterware nach Maß erneuern. Ein Rahmen aus gutem Holz kann so mehrere Bespannungen überleben. Bei modernen Modellen mit vernieteter oder in eine Kederschiene eingezogener Bespannung ist der Tausch dagegen ungleich aufwendiger.
Welcher Stoff hält am längsten?
Traditionell wird Segeltuch oder reißfestes Leinen verwendet – schön anzusehen, aber saugfähig und deshalb nach jedem Regen längere Zeit feucht. Moderne Alternativen sind Textilene (ein Polyestergewebe mit PVC-Ummantelung, das durch seine offene Netzstruktur schnell trocknet) und spinndüsengefärbte Acrylstoffe, deren Farbe im Garn selbst steckt und die deshalb kaum ausbleichen. Welche Gewebe sich wie verhalten, haben wir im Ratgeber zu wetterfesten Gartenliegen gegenübergestellt.
Beim Deckchair ist die Bespannung das Verschleißteil – und genau deshalb kann ein guter Rahmen Jahrzehnte halten.
Worauf du beim Garten-Einsatz achten solltest
Klappmechanik prüfen, nicht nur das Material
Die Scherenmechanik eines Liegestuhls hat wenige, dafür stark belastete Gelenkpunkte. Metallbeschläge und durchgehende Bolzen halten dem Dauergebrauch länger stand als in Holz eingelassene Kunststoffteile. Ein bekanntes Ärgernis dieser Bauform bleibt die Klemmgefahr an den Scherenpunkten – Kinder sollten Liegestühle nicht unbeaufsichtigt auf- und zuklappen.
Eigengewicht gegen Windlage abwägen
Leichte Alu-Modelle lassen sich mühelos umstellen, kippen an windigen Standorten aber eher. Schwerere Holzmodelle stehen sicherer, wollen dafür seltener bewegt werden. Wer beides braucht, stellt den leichten Stuhl an eine windgeschützte Hausecke statt auf die freie Rasenfläche.
Sitzhöhe realistisch einschätzen
Klassische Deckchairs setzen sehr tief an. Das liegt sich entspannt, macht das Aufstehen aber zur Übung aus der Hocke – gerade bei Knie- oder Rückenbeschwerden ein relevanter Punkt. Modelle mit höherem Einstieg sind dafür weniger flach stellbar. Konkrete Werte dazu im Maß-Ratgeber.
Trocken lagern, auch bei „wetterfest“
Liegestühle sind auf geringes Gewicht ausgelegt, nicht auf Dauerbewitterung. Holzrahmen ziehen über die Fußenden Wasser, Stoffbespannungen halten Feuchtigkeit im Gewebe. Ein Platz unter dem Terrassendach oder im Schuppen verlängert die Lebensdauer deutlich stärker als jede Imprägnierung.
FAQ: Garten-Liegestuhl
Was genau ist ein Liegestuhl?
Woher kommt der Liegestuhl ursprünglich?
Warum wackeln Liegestühle auf dem Rasen so stark?
Kann man die Bespannung eines Liegestuhls austauschen?
Wie viele Positionen hat ein Liegestuhl?
Ist ein Liegestuhl auch für längeres Liegen geeignet?
Garten-Liegestuhl: Unsere Einordnung
Der Liegestuhl ist kein Kompromiss zwischen Stuhl und Liege, sondern eine eigenständige Bauform mit einem klaren Zweck: leicht, klappbar und für beides nutzbar. Wer ihn an genau dieser Stärke misst, wird selten enttäuscht.
Für den Garten sind zwei Punkte entscheidender als das Material: ein fester, ebener Standplatz – auf Rasen hilft nur Unterlegen – und eine austauschbare Bespannung, weil sie und nicht der Rahmen zuerst verschleißt. Wer regelmäßig mehrere Stunden am Stück liegt, ist dagegen mit einer Gartenliege mit verstellbarer Lehne und dickerer Auflage besser bedient.
Einen Vergleich verwandter Bauformen findest du in unserem Liegestuhl-Ratgeber, im Ratgeber zu Relaxliegen und bei Gartensesseln für reines Sitzen. Weitere Möbeltypen für den Garten stehen im Ratgeber-Archiv.
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Ich betreibe gartenliege-test.de und habe in dieser Zeit 20 Modelle ausführlich verglichen und viele weitere gesichtet. Mein Ziel: Dir helfen, die perfekte Gartenliege zu finden – ohne endloses Suchen.